Diese kurze und überraschende Frage findet sich in Lukas 24,19.
Die Emmausjünger, verzweifelt und entmutigt unterwegs, erkennen Jesus nicht und fragen ihn dann, ob er denn nicht weiß, dass Jesus in Jerusalem gekreuzigt wurde.
Jesus, der sehr wohl alles weiß (und selbst “live” dabei war), antwortet den Jüngern mit einer scheinbar nutzlosen Gegenfrage.
“Was denn?”
“Was ist denn geschehen?”

Jesus hatte keine Amnesie nach einer durch das Kreuz bedingten posttraumatischen Belastungsstörung.
Er, der alles weiß, gibt den Emmausjüngern dadurch die Gelegenheit ihren Kummer, ihren Schmerz, ihre Depression oder ihr Burnout zu artikulieren, was einen ersten Schritt einer heilsamem Umkehr bedeutet.
In unserer modernen, hochtechnisierten, KI-unterstützten Welt der Medizin wird diese persönlich an den Patienten gerichtete Frage: “Was denn?” viel zu selten gestellt.
Es gehen dadurch diagnostische Chancen verloren, die sogar zu falschen Therapieansätzen führen können.
Ein Patient erzählte mir, dass die Schulterschmerzen trotz Injektionen durch den Orthopäden nicht besser wurden. “Wo haben sie die Schmerzen?” fragte ich. Der Patient deutet auf den linken Oberarm (!). “Und wohin haben sie die Spritze bekommen.” fragte ich weiter. Der Patient deutet auf den Bereich des linken Schulterblattes(!).
Es gibt mannigfache Beispiele, die aufzeigen, dass eine einzige Frage den Unterschied gemacht hätte.
Die moderne Medizin ist sprachlos geworden und die Kranken- oder Gesundheitskassen honorieren das ärztliche Gespräch mit einem Betrag, der lächerlich gering und wirtschaftlich nicht tragbar ist. Lassen wir uns aber durch Jesus an diese kleine Frage erinnern. Wir, die wir oft meinen zu wissen, was dem Patienten fehlt und welche Therapie er benötigt, sollten öfters diese kleine, “unnötige” aber manchmal wichtige Frage stellen “Was denn?” “Was haben sie denn auf den Herzen?” Die bewegenste Antwort kam von einer austherapierten Krebspatientin: “Würden sie bitte diese 2 Lieder auf meinem Begräbnis spielen?”
Es werden selten solche Antworten kommen, aber stellen wir diese Frage und geben den Patienten dadurch die Möglichkeit sich zu öffnen.


“Was denn?” – von Jesus können wir als Ärzte viel lernen.

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